Wie wird man zum Programmierer?

Sehr viele Wege führen nach Rom und wer ein Programmierer werden möchte, der hat heute eine ganze Reihe von Möglichkeiten. Jede Option hat so ihre Vor- und Nachteile. In diesem Artikel soll es darum gehen, was einen bei der Ausbildung erwartet und was Arbeitgeber von den jeweiligen Absolventen erwarten können.

Bitte nicht Arbeit, Beruf und Ausbildung vermischen!

Zuerst einmal ist es wichtig, dass man die vielen unterschiedlichen Berufs-, Arbeits-, und Ausbildungsbezeichnungen nicht durcheinander wirft. „Programmierer“ als Abschluss gibt es so eigentlich nicht. Man wird eher ganz allgemein zum Informatiker ausgebildet, teils mit bestimmten Spezialisierungen. Das Codieren ist nur ein Bereich des Berufs und kann ganz unterschiedliche Ausprägungen haben. Außerdem hängen die finalen Fähigkeiten nicht immer streng von der Ausbildung ab, sondern können je nach Person variieren. Nur so ganz nebenbei: „Software-Entwickler“ ist in Deutschland derzeit keine geschützte Berufsbezeichnung 😉

Der irgendwie andere Programmierer

Manchmal ist ein Programmierer nicht das, was man sich darunter vorgestellt hat. Er schreibt keine Software für einen PC oder für das Handy, sondern programmiert beispielsweise eine CNC-Fräse oder einen Industrieroboter. Auch das ist streng genommen „Programmieren“. Es ist die Eingabe von Befehlen in eine Maschine, sodass die Maschine diesen Code ausführt und daraufhin gezielt bestimmte vorher festgelegte Dinge tut. Deshalb ist es wichtig zunächst zu prüfen, welche Art von Programmierer man meint. Meist reicht dafür die Nennung der in der Firma (oder im Aufgabenbereich) verwendeten Programmiersprachen, denn jede Sprache ist für einen Bereich spezialisiert.

Der Quereinsteiger, ohne einschlägige Berufsausbildung

Weil sich Informatiker oft auch privat für das Thema interessieren, kommt es häufig vor, dass Menschen ganz nebenbei sehr viele Fähigkeiten in der Programmierung erlernen. Indem man täglich viele Stunden Freizeit in Code investiert, kann man durchaus zu einem sehr guten Programmierer werden, vor allem, weil es viel hochwertige Fachliteratur in Form von Büchern und aktuelle und detaillierte Informationen auf vielen Webseiten gibt. Oft kennen  sich semiprofessionelle Codierer gut aus mit aktuellen Techniken und Prinzipien, wissen über Trends Bescheid, gehen jedoch eher pragmatisch an Probleme heran.
Quereinsteiger haben das Problem, dass sie sich erst beweisen müssen. Trotzdem gehen viele Arbeitgeber das Risiko ein – aus Mangel an Alternativen. Dafür hat man hier aber ein relativ geringes Einstiegsgehalt zu erwarten (relativ, da es für jemanden ohne Berufsausbildung immer noch ziemlich hoch ist). Mit zunehmenden Berufsjahren gleichen sich die Gehälter etwas an.

Der Fachinformatiker

Wer eine normale Berufsausbildung machen möchte, hat an der Stelle zwei Möglichkeiten: Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung (Software) und Fachinformatiker für Systemintegration (Hardware und Netzwerke). Die Ausbildung dauert drei Jahre und findet in der Berufsschule und in einem Ausbildungsbetrieb statt, meist abwechselnd in Blöcken von mehreren Wochen. Der Vorteil gegenüber dem Quereinsteiger ist, dass der Fachinformatiker Wissen systematisch beigebracht bekommt und versucht wird, ihm von Anfang an die richtige Vorgehensweise beizubringen, sodass die Gefahr, dass er sich etwas Falsches aneignet geringer sein sollte. Wenn der Ausbildungsbetrieb jedoch selbst unprofessionell arbeitet, kann es dazu kommen, dass der Azubi genau diese Prinzipien später als normal ansehen wird. Dazu kommt, dass die Berufsschule nur eingeschränkte Möglichkeiten hat, Problemlösungs- und Transfer-Fähigkeiten beizubringen – es geht eher um das Auswendiglernen. Für reine Programmierarbeit ist das allerdings oft eine ausreichende Basis. Nach der Ausbildung bieten sich dem Fachinformatiker ein solides Gehalt und ganz gute Job-Chancen.

Der Informatiker (Fachhochschule)

Ebenso wie die Universität, hat die Fachhochschule ein Bachelor-Master-System. Für den Bachelor-Abschluss hat man eine Regelstudienzeit von drei Jahren (sechs Semestern) und für den Master noch weitere zwei Jahre (vier Semester). Man sollte beachten, dass der FH-Informatiker die Möglichkeit der Spezialisierung hat und in seinem Studium verschiedene Schwerpunkte wählen kann. Durch das Vollzeitstudium wird sehr viel Wissen vermittelt. Außerdem lernt der Student die Fertigkeiten zur Problemlösung und zum Problem-Transfer. Der wichtige Unterschied gegenüber der Universität ist, dass viel mehr Wert auf Praxis gelegt wird. Kooperationen mit Unternehmen und der freien Wirtschaft kommen häufig vor. Studenten, die an der verkopften Theorie der Universität scheitern, werden meist an der FH glücklich und erfolgreich. Gehalt und Job-Chancen sind exzellent. Im Job kann der FH-ler durch seine Praxiserfahrungen zügig eingesetzt werden und bringt bereits viele anwendbare Vorkenntnisse mit.

Der Informatiker (Universität)

Vieles, was für die FH gilt, gilt auch für die Universität: Bachelor für drei Jahre (halb Grundwissen, halb Spezialisierung) und Master für zwei Jahre (nur Spezialisierung). Es werden sehr viel Wissen und Problemlösungsfähigkeiten im Vollzeitstudium vermittelt. Allerdings wird wesentlich mehr Wert auf Theorie gelegt als bei der FH. Nur wer keine Angst vor extrem abgefahrenen mathematisch Denkaufgaben hat, sollte das Studium ins Auge nehmen. Der Absolvent ist schließlich in der Lage, sehr komplexe Probleme zu erfassen und aufzubereiten. Er erkennt Schwierigkeiten, die man anderen oft nur schwer erklären kann. Auf der anderen Seite kann er seine Skills durch eine Vielzahl von Vorlesungen weit streuen. Negativ ist, dass sich kaum  Möglichkeiten ergeben, Praxiserfahrung in der Wirtschaft zu sammeln. Oft kommt es vor, dass der frische Absolvent gar keine Ahnung von der Arbeit in einer Firma hat. Man sollte also trotz des hohen Gehalts nicht davon ausgehen, dass der Informatiker sofort und direkt loslegen kann. Das alles macht der Akademiker durch extrem schnelles Lernen und super Abstraktionsfertigkeiten wett. Schon nach kurzer Zeit wird der Uni-Informatiker durch sein Allround-Können geschätzt werden und er weiß durch ungeahnte Fähigkeiten zu überraschen.
Man beachte: An der Universität gibt es viele verschiedene informatiklastige Studiengänge. Neben der „normalen“ Informatik gibt es natürlich noch die Lehrämter, die mit ihrem Didaktikanteil die Studienzeit verlängern. Außerdem stößt man immer wieder auf Spezialausrichtungen wie „Luft- und Raumfahrtinformatik“ (mit Abschluss Space-Master!). Wirtschaftsinformatik und Mediendidaktik haben jedoch einen erstaunlich geringen Anteil an Informatikfächern. Daneben gibt es noch spannende Studiengänge wie „Mensch-Computer-Interaktion“, was eine Mischung aus Informatik und Psychologie darstellt und „Bio-Informatik“ (mit Biologie-Teil).

Diplom und Doktor

Diplom-Studiengänge können heute eigentlich nirgends mehr begonnen werden. Der Diplomstudiengang unterscheidet sich dadurch von Bachelor-Master, dass das letztere System eher verschult ist und der Studienverlauf sehr viel genauer festgelegt ist. Ein Diplomand konnte sich im Studium mehr nach seinen eigenen Interessen ausrichten. Während er vor allem die Prüfungen „Vordiplom“ und „Diplom“ schreiben musste, muss der Bachelor bzw. Master für jede einzelne belegte Vorlesung am Ende des Semesters eine Klausur schreiben. Er jagt weniger dem Wissen, eher den Belegungspunkten hinterher.
Der Doktor der Informatik ist für viele Jobs überqualifiziert. Er kann eigentlich nur in der Hochschule und in der forschenden Wirtschaft sinnvoll eingesetzt werden. Sofern er aber keine hohen Gehaltsvorstellungen hat, kann er natürlich auch als gewöhnlicher Informatiker Fuß fassen.

Was ist nun die richtige Wahl?

Der Arbeitgeber hat meist keine große Auswahl und muss nehmen, was er kriegen kann. Das ist jedoch weiter nicht schlimm, denn in einem heterogenen Team findet sich für jeden eine sinnvolle Beschäftigung.
Wer Programmierer werden möchte, der muss schauen, wo seine Prioritäten liegen. Falls die Hochschulreife bereits vorliegt, sind FH und Uni interessant (Uni nur, wenn Mathe kein Problem ist oder man sehr fleißig ist). Wer keine Hochschulreife hat, der kann direkt mit der Ausbildung zum Fachinformatiker beginnen. Mit Engagement kann man es auch hier weit bringen.

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